Trotz Wirtschaftskrise ist die Zahl offener Stellen für Bauingenieure und Architekten im April 2009 auf einen neuen Rekordstand gestiegen. Der Grund dafür sind offenbar die mit den Konjunkturpaketen I und II angestoßenen Infrastrukturinvestitionen. Denn egal ob Straßenplanung, Brückenbau oder Gebäudesanierung: Überall wird das Know-how der Bauspezialisten dringend benötigt.
Die Wirtschaftskrise hat den gesamten Arbeitsmarkt fest im Griff. Den gesamten Arbeitsmarkt? Nein, denn während in den meisten Branchen und Berufen die Zahl der Arbeitslosen steigt, trotzen Bauingenieure und Architekten erfolgreich dem allgemeinen Abwärtssog.
Im April 2009 war bundesweit die Rekordzahl von mehr als 14.000 offenen Stellen für Bauingenieure und Architekten zu besetzen – ein gutes Fünftel mehr als im April des Vorjahres. Damit gab es für die Baufachleute erstmals mehr freie Stellen als für die begehrten Elektroingenieure.
Gleichzeitig waren im Vergleich zum Vorjahresmonat 5,6 Prozent weniger Bauingenieure und Architekten arbeitslos – seit der Wiedervereinigung waren in einem April mit 7.969 Betroffenen noch nie so wenige ohne Job.
Die Ursachen für diese positive Entwicklung sind zum einen jahreszeitenbedingt. Die Nachfrage nach Bauingenieuren und Architekten steigt in der Regel nach dem Winter aufgrund des besseren Frühlingswetters deutlich. Zum anderen machen sich die Konjunkturpakete I und II bemerkbar. Denn nach dem Willen der Regierung soll kräftig in die öffentliche Infrastruktur investiert werden, um der Wirtschaft wieder auf die Sprünge zu helfen.
So profitieren aktuell insbesondere Ingenieur- und Architekturbüros von der Vergabe staatlicher und staatlich finanzierter Aufträge; also brauchen sie entsprechend viele neue Mitarbeiter. Auch zahlreiche Städte und Kommunen sind auf der Suche nach Ingenieuren und Architekten, die in den Bauämtern mit ihrem Know-how die beiden Konjunkturpakete aufschnüren und umsetzen.
Allein in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur und Bau stehen in den kommenden Jahren öffentliche Investitionen in Höhe von knapp 20 Milliarden Euro an.
Die Bundesregierung hat die zusätzlichen Verkehrsinvestitionen von 2 Milliarden Euro aus dem ersten Konjunkturpaket im zweiten Paket noch einmal um 4 Milliarden Euro aufgestockt (vgl. iwd 4/2009). Mehr als die Hälfte davon entfällt auf den Bau und Erhalt von Bundesfernstraßen. Der Rest fließt in Projekte für Bundesschienenwege (1,3 Milliarden Euro), Bundeswasserstraßen (780 Millionen) sowie in Investitionen in den sogenannten kombinierten Verkehr (100 Millionen), zu dem etwa Umladeanlagen zwischen Wasser- und Landverkehr gehören.
Während für die Straßenplanung, den Brückenbau und die Ausbesserung des Schienennetzes hauptsächlich Bauingenieure gesucht werden, profitieren Architekten besonders vom umfangreichen CO2-Gebäudesanierungsprogramm sowie von den Fördermaßnahmen zum altersgerechten Umbau von Wohnraum.
Und auch hier hat die Bundesregierung noch einmal draufgepackt. Zusätzlich zu der im ersten Konjunkturpaket vereinbarten Erhöhung der Förderung energetischer Gebäudesanierung gibt es jetzt weitere 13,3 Milliarden Euro, um Bildungseinrichtungen wie Krippen, Kindergärten, Schulen und Hochschulen zu bauen oder zu sanieren.
Insgesamt investiert der deutsche Staat etwa jeden vierten Konjunkturpaket-Euro in die Verbesserung der Verkehrs-, Gebäude- und Bildungsinfrastruktur.
Wenngleich man über Sinn und Unsinn einzelner Maßnahmen diskutieren kann, zeigen die beiden Konjunkturpakete der Bundesregierung auf dem Arbeitsmarkt für Bauingenieure und Architekten die erhoffte Wirkung.
Quelle: iwd - Institut der deutschen Wirtschaft Köln